University of Minnesota
Center for Holocaust & Genocide Studies
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CHGS

  • Susi Rosenberg : Path II

    Path II

    Die Skulptur ist aus zwei Formengruppen zusammengesetzt, die jeweils aus 12 Einheiten bestehen. Aus Stapeln von Betonblöcken ist die eine Gruppe gebildet, die andere aus einer Reihung von Stahlbögen.

    Maße:
    Höhe: 165cm 
    Breite: 1302cm
    Tiefe: 207cm

    Die Einheiten

    1. 79 Betonblöcke 35,5 x35,5 x14cm; die Blöcke bilden 12 Stapel, beginnend mit einem "Stapel" aus einem Block ¥endend mit einem Stapel aus 12 Blöcken. Der oberste Block jedes Stapels hat eine dreieckige Vertiefung welche Wasser hält.

    2. 24 rostige Stahlbänder, 200 x13.5cm gebogen zu flachen Bögen. Jeweils 2 in der Länge versetzt übereinandergelegte Bögen bilden eine Einheit. Die 12 Einheiten stehen parallel and in gleichem Abstand auf dem Boden and bilden als Gesammtform ein langgezogenes Rechteck.

    Von oben betrachtet ist als Gesammtform der Skulptur das große Rechteck zu sehen, definiert durch die Stahl - Doppelbögen. Durch die diagonal zum Rechteck angeordneten Betonstapel wird das Rechteck in zwei Dreiecke geschnitten. Die Betonstapel sind zwischen die Bögen gesetzt, so daß sie als Gesammtform einen vom Boden aufsteigenden Keil bilden. Die Form des Dreiecks wiederholt sich auch in den Wasserbecken im obersten Block jedes Stapels. Durch die versetzte Doppelung der Stahlbögen entsteht ein sehr schmaler langgezogener dreieckiger zwischenraum zu einem Ende des Bogens hin.

    Der Arbeitsprozess

    Die mehrfache Wiederholung des gleichen Arbeitsprozesses läßt den Eindruck von industrieller Produktion entstehen. Doch die Elemente sind Stück für Stück in Handarbeit gefertigt; kleine Unterschiede sind für den aufmerksamen Betrachter erkennbar. Die Einheiten bekommen Individualität wärend sie einander trotzden sehr ähnlich bleiben. Die Gesammtform der Skulptur ist exakt bemessen, ebenso die Führungslinien der großen Formen. Die einzelnen Elemente sind jedoch im Feinmaß mit dem "Gedächtnis des Körpers" gemessen um eine humane Komponente in einen (quasi) industriellen Vorgang zu bringen. Die Künstlerin arbeitet mit einem sich wiederholenden Arbeitsprozess,lernt and sammelt Erfahrungen über Gewicht, Größe, Form jedes Elements um dann diese erinnerten Details der Form so präzise wie es der menschliche Körper vermag, zu wiederholen.

    Philosophische Aspekte

    Einer der Hauptgedanken dieser Arbeit ist es, die Idee des "Lethe" - Fluß des Vergessens - umzukehren. Jede Kultur pflegt Rituale mit fließendem Wasser, welches verwendet wird um Erinnerungen and Sünden wegzuwaschen - reinzuwaschen.

    Die Wasserbecken dieser Skulptur beinhalten stehendes Wasser and symbolisieren dadurch die Unmöglichkeit Erinnerung auszulöschen. Auch schafft der Wiederholungsprozess des arbeitens eine Körperbezogene Erinnerung jedes Elements, die sich über die Zeit aufbaut and verändert aber eingebettet ist in eine individuelle physische Ebene. Die dreieckigen Becken sind in Paaren angeordnet, jeweils 2 Becken stehen sich in der Richtung gegenüber. Von bestimmten Blickwinkeln aus kann der Betrachter in seiner Vorstellung 2 solcher Becken übereinanderschieben es entsteht ein Davidstern. Die Maße der Betonblöcke entsprechen fast exakt den Pflastersteinen, wie sie in München heutzutage verwendet werden um Gehsteige zu pflastern(die Höhe ist doppelt). Diese Bezugnahme verknüpft Erinnerung and Materialität, Vergangenheit and Gegenwart.

    Viele Städte sind mit heroischen Statuen dekoriert, die Kriege and ihre Helden verherrlichen. "PATH II" stellt diese früheren Gestaltungsformen von Denkmälern in Frage. Die Verwendung von gewöhnlichem Industriematerial, die Mehrschichtigkeit der Inhalte and das Einbinden menschlicher Fehlbarkeit bieten eine andere Form des öffentlichen Gedenkens an.

    Obwohl mehrere Elemente dieser Skulptur auf den Holocaust bezug nehmen, ist dies nicht die ausschließliche Intension. Die Skulptur beinhaltet darüber hinaus verschiedenste Bezüge zum Themenkomplex Erinnerung / Gedenken.

    Diese Arbeit ist gleichzeitig als Angebot zur Entschleunigung zu verstehen, imhektischen and schnellen Leben unserer Zeit innezuhalten. Ein Ort an dem Details nur entdeckt werden können wenn der Betrachter sich Zeit nimmt. Es bleibt dem Betrachter überlassen, seine persönlichen Erinnerungen and Gedanken mitzubringen, eigene Assoziationen zu knüpfen oder der Arbeit einfach als Skulptur zu begegnen.

    Eugene, USA, Juni 1999.